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Samojedenrüde Sascha:
ein Samojede der im Tierheim war

Sascha alias „Sam“ war 3 Jahr im Tierheim, wurde dann von Ralf Hewelke in die Auffangstation „Nordische in Not“ geholt.
Er hatte einen offenen Rücken von Ekzem und galt als nicht bis schwer vermittelbar, weil er immer wieder gebissen hat.

Sascha war einfach Boss, ohne aggressiv zu sein und alle Hunde akzeptieren das. Seine Geschichte muss man lesen.



Sascha ist im Alter von fast 14 Jahren gestorben
In einer Vollmondnacht hatte er für sich beschlossen
über die Regenbogenbrücke zu gehen.
Er war bis zum Schluß "Big Boss"


Das ist die Geschichte von Sam – einem Samojeden, der aus dem Tierheim kam.

Hier sein Steckbrief:

-     geboren 1993, aufgefunden 1996

-     er verbrachte 3 Jahre im Tierheim in Hanau, Drei Vermittlungsversuche schlugen fehl. Sam schnappte und biss immer wieder. Er war sehr dominant, ließ Streicheln und Pflegemaßnahmen nicht zu.

-     Im Oktober 1999 holte ihn Ralf Hewelcke nach Oranienburg in die Auffangstation von „Nordische in Not“ Herr     Hewelcke konnte Sam mit Beißkorb teilweise scheren und entdeckte zwei lange Narben und offene Ekzeme auf dem Rücken, die er behandelte. Seine Frau wurde zweimal von Sam gebissen.

-     Herr Hewelcke gab mir folgende Charakterbeschreibung durch:

sehr dominant, aber nicht grundsätzlich böse. Er will das Handeln bestimmen
Kein Hund zum Streicheln und Schmusen, denn gerade da beißt er immer wieder, warnt aber vor
Sam akzeptiert keine Frauen
Er ist total unerzogen, kann nur Sitz, wenn es ihm passt.
Er zählt als schwer bis nicht vermittelbar.

 Im Dezember 1999 holte ich mir diesen Rüden

Sam, ein mürrischer Samojede.

Er hatte das für seine Rasse typische Lachen verloren

 
Unnahbar und somit ungepflegt, halb geschoren und viel zu dick, der Rücken mit chronischem Ekzem übersät, war er keine Schönheit und bekam viele verachtende Blicke.

Sam – Herausforderung und Lehrmeister. Ich liebe diesen Hund und bin ihm unendlich dankbar.
Er lehrte mich, wie kein Mensch oder Hunde es gekonnt hätte, Hunde mit Würde zu erziehen.

Mit dem neuen Leben kam ein neuer Name – Sascha

ein stolzer Samojede, das Ekzem ist geheilt


Sascha im Februar


und im Mai





Sascha inmitten geistig behinderter Kinder. Sascha akzeptiert die Kinder und die Kinder akzeptieren Sascha als Hund, den man nicht streicheln darf.






 



Sascha ein glücklicher Samojede
 

Sascha liebt es, mit mir zu arbeiten


Sascha mit meiner Nichte Cornelia

   
Sascha, ein Clown für alle Fälle


Sam
Tagebuch eines Samojeden
im Dezember 1999

09. 12. 1999
Begonnen hatte der Tag wie jeder andere, seit dem ich hier bin. Der Chef versorgte seine vielen Schlittenhunde - ich durfte meine Runden auf dem großen Hof drehen und war wieder in meinem geräumigen Zwinger.

Dann kam der Chef mit 2 Leuten - die sprachen über mich - der Chef zeigte in meine Richtung. Ich hasse es, wenn ich zur Schau gestellt werde. Ich kenne zu Genüge die mitleidigen Blicke. Nun ja, ich bin halb geschoren, meine Narben auf dem Rücken schmerzen und das Ekzem juckt - mein Fell ist verfilzt und zottelig. Aber warum sollte ich mich bürsten lassen. Es ist unangenehm und unter meiner Würde, mich von Irgendjemandem am Fell ziehen zu lassen. Schließlich bin ich wer!

Und genau das habe ich dem Fremden gleich gezeigt, als sie zu mir an den Zwinger kam. “Ej, keine Hoffnung Neue - ich bestimme das Handeln!” Voller Wucht rannte ich gegen den Zaun, knurrte wild und zeigte die Zähne. Tja gut, die war noch nicht einmal erschrocken und zeigte keine Regung - habe ich eben meinen Korb zerlegt.

Dann hat mich der Chef raus gelassen. Natürlich musste ich erst Runden drehen. Menschen sind für mich uninteressant - doch halt - das riecht aber lecker -
K Ä S E - die Neue sitzt einfach im Hof, ohne mich auch nur anzuschauen, und hat Käse in der Hand. Da konnte ich nicht widerstehen. Ich drückte meine dicke Nase in die Hand und konnte auch ein Stückchen ergattern. Ok - ich setze mich hin und mache Teddygesicht, das wirkt immer. Und ich bekomme Käse. Da kann man sich auch an die Leine machen lassen.Und los geht es - hauruck - bitte etwas schneller und in diese Richtung! Nun gut, der Kerl hat mich an der Leine und hält fest. Aber egal, Hauptsache Abwechslung! Ein Samojedenmädchen haben sie auch dabei - nicht schlecht.

Tja - nun sitze ich im Auto von den Neuen und wir fahren. Natürlich bin ich selbst eingestiegen. Schließlich bin ich ein Samojede - und Samojeden lieben Abenteuer und Abwechslung.

10. 12. 1999
Die Nacht habe ich im Garten verbracht. Das Revier ist nicht schlecht. Es gibt noch mehr Hunde und der Garten ist so groß, dass man richtig toben kann.
So, jetzt muss ich den Neuen erst einmal klarmachen, wer der Boss ist. Ich als kräftiger Samojedenrüde lasse schließlich nicht über mich bestimmen. Menschen wollen immer nur das Eine. Erst kommen sie mit zuckersüßer Stimme oder locken mit Futter und dann wird man gepackt und man ist ihnen ausgeliefert. Viel zu oft tat es schon weh.

Oder auch das ewige Angetatsche. Ich bestimme, wann, wo, wie und wie lange ich gekrault werde, ist doch wohl klar, oder?                                                

12. 12. 1999
Verdammt - wer bin ich überhaupt. Die beachtet mich überhaupt nicht. Sie spricht und sieht mich einfach nicht an - bin ich Luft?

Und dann bin ich auf einmal an der Leine und muss laufen. Ich habe Muskelkater, aber Stehen bleiben nutzt nichts, die geht einfach weiter, ohne sich umzusehen und zieht mich mit. Sogar wenn ich sie in die Beine zwicke. Hunger habe ich! Die Ration im Napf ist ja zum Lachen. Aber die scheint immer was in der Tasche zu haben. Plötzlich zaubert sie unterwegs ein Stückchen Futter hervor. Aber denkt ihr, die rückt mal ordentlich was raus. Da nutzt kein Bellen, Knurren oder Teddygesicht. Die läuft einfach weiter und wenn ich nicht weggehe, überläuft sie mich. Und dann, irgendwann, gibt es wieder ein Stück.

13. 12. 1999
Ich bin kurz vorm Verzweifeln! Wisst ihr, wie man sich fühlt, wenn man ein   N I C H T S   ist? Wie soll ich der da klar machen, wer der Chef ist? Aber einfach so beißen darf man doch nicht!

13. 12. 1999  -  Nachtrag
Wau  -  war das schön!!! Sie hat mich gesehen, ja echt! Sie sagte, sie macht jetzt ein paar Bilder von mir, hielt einen Apparat vor ihr Gesicht und schaute mich an. Erst war ich erschrocken, verwirrt. Was tu ich jetzt? Ich habe mich so gefreut, dass ich mein Teddygesicht aufsetzte. Vor lauter Aufregung habe ich sogar gewunken. Da hat sie gelacht - es war ein schönes Lachen - so ohne Hintergedanken und Mitleid, nein, es war ein Lachen aus dem Herzen, das einen selbst froh macht. Da konnte ich nicht anders - ich bin hin zu dieser Frau, habe mich an ihr Bein gedrückt und mich umfallen lassen, streckte die Beine in die Höhe und brummte vor lauter Glück.
Und sie hat mich berührt - mich richtig durchgeknuddelt an meinem Bauch - nur ganz kurz. Dann stand sie auf und ging weg. Ich blieb noch einen Moment liegen, spürte noch ihre Hand an meinem Körper - es war so schön! Ich hätte es noch etwas länger geduldet.

17. 12. 1999
Seit dem letzten Eintrag hat sich sehr viel geändert.
Ich werde jetzt immer begrüßt, wenn sie kommt. Übrigens heiße ich jetzt Sascha - es klingt schön aus ihrem Mund, wenn sie “Sascha” ruft. Dann lasse ich alles stehen und liegen und renne hin zu ihr. Da gibt es nämlich immer etwas zu Knabbern - und ich habe einen Knast, sage ich euch!
Spazierengehen macht jetzt unheimlich Spaß. Der Muskelkater ist weg und mir fällt es viel leichter, die langen Strecken durchzuhalten. Und unterwegs gibt es auch immer etwas.
Ich darf jetzt immer in ihr Zimmer. Dort gibt es auch Leckerli, aber nur wenn die will. Da kann ich mich hinsetzen, Pfote geben und bellen - denkste - die beachtet mich. Dann kommt auf einmal “Sascha, Sitz”  -  ich setze mich und bekomme etwas. Sie streicht mir über den Kopf - und da ist sie wieder - diese Stimme! “Sooo ist s  braaav, feiner Kerl”  Das heißt nichts Gutes. Ich lege die Ohren zurück und knurre. Es folgt aber keine Ohrfeige, kein Fußtritt, nichts, was weh tut. Nein, ich muss einfach nur gehen, raus aus diesem Zimmer.

18. 12. 1999
Ich glaube, ich habe verstanden. Wenn ich mich anfassen lasse, solange die will, kriege ich was. Knurre ich, muss ich gehen. Aber ich will nicht weggehen, weg von dieser Frau. Ich will sie beobachten, ihre Mimik verstehen lernen. Sie ist so ganz anders, ich fühle mich wohl in ihrer Nähe.
Habe ich überhaupt schon erzählt, dass sie mit mir spielt? Ja, das macht sie und es macht unheimlich Spaß.
Sie hat Leckerli in der Hand und läuft los. Ich muss versuchen, immer bei ihr zu bleiben. Wenn ich ganz nah bei Ihr bin, krieg ich das Leckerli. Manchmal läuft sie einfach nach links oder rechts oder in die andere Richtung. Dann wird es anstrengend und ich muss mich konzentrieren, auf ihre Körperbewegungen achten. Aber wenn ich es schaffe und sie kann mich nicht austricksen mit einer plötzlichen Kehrtwendung, freut sie sich und gibt mir eine ganze Handvoll zu fressen. Menschen sind doch manchmal sonderbar.

19. 12. 1999
Heute war großes Bürsten angesagt. Da muss ich auf den Tisch, aber da gibt es ja Leckerli, also hopp, kein Problem. Angst vor der Bürste habe ich nicht mehr, weil Bürste auch Leckerli heißt. Und los ging es. Rücken, Mähne - alles kein Problem und es gab Leckerli. Sie redet jetzt auch anders mit mir. “Jawohl - ein gscheiter Kerl - und da noch und dreh dich mal - feingemacht, Dicker!” Dicker, das bin auch ich. Aber es klingt gut, wenn sie “Dicker” sagt, ich glaube, es ist mein Kosename. So - nun Bauch und unter den Beinen - aber das war mir zuviel. Sofort habe ich böse geknurrt und die Zähne gezeigt. Und sie  -  “Dicker - Du siehst bescheuert aus, wenn du so guckst!” Und sie stupste mir noch mit dem Finger auf die Nase.Ich war so erstaunt, dass  ich sie fragend anguckte und prompt gab es Leckerli - eine ganze Hand voll. Musste ich gleich noch mal probieren - Pfote hinstrecken - unter den Achseln bürsten lassen - Nase hochziehen und dann fragend gucken  - und  - Leckerli  -  oh, jetzt hatte ich das Knurren vergessen. Sehe ich wirklich bescheuert aus, wenn ich die Lefzen hochziehe?
Ok - Pfote hinstrecken - Lefzen untenlassen - verdammt, das ist schwer, wenn es ziept! Was tat sie? Sie lobte mich ganz toll, machte einen richtigen Freudentanz mit mir und ich bekam einen ganzen Hundeknacker!!! Ich glaube, dafür halte ich jetzt das Bürsten aus.

20. 12. 1999
Verdammt, ich glaube, ich habe alles versaut. Ob ich jetzt wieder hier weg muss? Nach großem Krach musste ich immer gehen, zurück ins Tierheim.Heute sollte ich richtig arbeiten. Vor den Schlitten hat sie mich gespannt, das Samojedenmädchen vorneweg. Mein Halsband wurde in ihr Geschirr eingehängt. Tja, die Hündin lief los und ich musste hinterher, konnte nicht schnüffeln und mal hier und da gucken, musste laufen und ziehen. Nach einem Stück roch ich plötzlich Fisch - oh toll und ich rannte los. Im Baum hing der Fisch in einer Tüte. Sie ging hin und gab mir ein Stückchen, so für den hohlen Zahn. Also das war mir zuviel. Die soll gefälligst alles raus rücken. Was denkt die sich. Und das wollte ich ihr ganz bestimmt sagen und bin auf sie los, mit entblößtem Gebiss, knurrend und stinksauer. Jetzt war die Zeit gekommen. Ich bin der wahre Boss! Aber verdammt, ich komme nicht an, gegen diese Frau. Ich glaube, sie war auf einmal doppelt so groß als normal, als sie auf mich zuging und mich mit strenger Stimme zurückschickte. Sie hat die Leine gepackt und mich mit einem kräftigen Ruck zu einem Pfosten gezogen und mich dort angebunden. Dann lief sie vor mir auf und ab. Ich hatte Angst - bekomme ich jetzt Prügel? Plötzlich taten meine Narben auf dem Rücken wieder weh. Aber nein, sie nahm wortlos die Leine, sah mich wieder nicht an, guckte durch mich hindurch - ich war wieder Luft für sie. Mit hängendem Kopf trottete ich hinter ihr her. Bloß nicht auffallen, nicht ziehen oder stehen bleiben. Ich weiß nicht mehr wie, plötzlich finde ich mich hier im Zwinger wieder. Verdammt - muss ich jetzt gehen?

20. 12. 1999  Nachtrag
Wir waren gerade noch mal weg, die Chefin nur mit mir und dem Schlitten. Die ist nicht sauer. Sie hat mich wie immer begrüßt. Sie hat mich alleine vor den Schlitten gespannt und es hat tatsächlich Spaß gemacht. Ich habe meine Muskeln gespürt, habe sie ganz bewusst angespannt und eingesetzt, um die Chefin auf dem Schlitten zu ziehen. Seit ich hier bin, ist irgendetwas in meinem Körper passiert. Ich werde nicht mehr schlapp. Je mehr ich zog, umso mehr Spaß machte es. Kein Rucken des Schlittens brachte mich aus dem Gleichgewicht. Ich spürte die Kraft in meinem Körper und ich spürte die bewundernden Blicke meiner Chefin im Rücken. Und ich verstand.
Ich habe eine Aufgabe in meinem Leben. Es ist vorbei mit dem einfach vor sich hin leben. Ich werde gebraucht. Ohne mich kommt die Chefin auf dem Schlitten nicht vorwärts. Und ich will diese Aufgabe erfüllen, mit meinem ganzen Samojedenherzen. Dass es dafür Fischstücke gab, war fast schon Nebensache.
Im Garten wieder angekommen, erzählte die Chefin ihrem Mann, wie ich den Schlitten zog. “Er hat eine wahnsinnige Kraft - wenn er losgeht, kommt der Schlitten mächtig in Schwung.” Und ich spürte den Stolz, der in der Stimme mitschwang und spürte wieder den bewundernden Blick auf mich ruhen. Ich spannte alle Muskeln an, stolz stand ich zwischen den Beiden, lachte über mein breites Gesicht und machte “Wuff” - jawohl, ich bin wer - schließlich bin ich ein kräftiger Samojedenrüde.

23. 12. 1999
Die Chefin hatte heute früh Stress, es waren noch mal viele Hunde zu ihr ins Zimmer gekommen. Jetzt sitzt sie hier, auf ihrem bequemen Stuhl, zurückgelehnt, die Augen geschlossen. Und ich darf bei ihr sein. Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der die Augen zu hat. Immer hat man mich misstrauisch beobachtet. Wenn ich die Menschen angeschaut habe, spürte ich oft ihre Unsicherheit, roch ihren Angstschweiß. Aber sie sitzt einfach nur da und hat die Augen geschlossen. Es geht eine wahnsinnige Ruhe von ihr aus. Ich möchte ihr plötzlich ganz nahe sein, ihren Körper spüren. Vorsichtig, um sie ja nicht zu erschrecken, steige ich mit den Vorderpfoten auf ihren Schoß, knabbere zärtlich an ihrem Ohrläppchen. Sie lässt es einfach geschehen, keine Regung von ihr. Aber sie schläft nicht, ich spüre es. Ich lege meinen großen Kopf an ihre Brust, schmiege mich ganz dicht an sie. Ich höre das Herz ganz ruhig schlagen. Und ich spüre ein überwältigendes Gefühl von Vertrauen, von Zugehörigkeit, von Stärke und gegenseitiger Achtung. Und ich lasse mich vorsichtig herabgleiten. Ich möchte die Bande, die sich zwischen uns gebildet haben, nicht durch eine unbedachte Bewegung zerreißen. Ich lege mich mit einem befreienden Seufzer zu ihren Füßen.

Die Odyssee ist vorbei. Ich habe meine Heimat gefunden und
M E I N    F R A U C H E N   !!!!!!!

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