|
|
| Der ewige Kampf: Wie bereits gesagt, Cleo stellt oft die Alphastellung in Frage. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, daß ich mit Sascha und Cleo nicht laufe, wenn es mir mal gar nicht gut geht. Es hat einfach keinen Zweck. Meine Spitze nehmen dann echt Rücksicht, bleiben bei mir und sind ganz lieb. Nicht Cleo -–sie registriert sofort – oh, die Chefin ist schwach – na dann los! Sie zieht dann so sehr, daß ich sie kaum halten kann. Muß ich zwischendurch mal anhalten, weil eben z.B. mal ein anderer Hund muß, kann sie nicht warten. Sie läuft dann einfach zu mit einem Ruck und jammert und quietscht. Schauspielern von mir, das es mir gut geht, nutzt da nichts. Ich reagiere eine Zehntelsekunde zu spät und das merkt sie. Dann stellt sie die Ohren seitlich weg und läuft und läuft und läuft. Sie kennt dann kein Kommando wie langsam und warte, stellt alles in Frage. Wenn es mir zu toll wird, drehe ich dann einfach um und gehe nach Hause. Es ist die einzige Möglichkeit, die mir bleibt, um meinen Willen bei ihr durchzusetzen. Aber auch, wenn ich ärgerlich oder nervös werde, aus welchem Grund auch immer, erkennt sie das als Schwäche. Ich hatte gerade mein neues Fahrrad bekommen – ein Mountainbike mit Scheibenbremsen. Mein Altes hatte ich niedergeritten.
Cleo (damals 2 Jahre) und Sascha (ihn hatte ich da 1 Jahr) saßen schon mit Geschirr im Auto. Ich holte das neue Fahrrad aus dem Keller, aber irgend etwas blockierte, es ließ sich nicht schieben. Schitt, denke ich. Na gut, jetzt sitzen die Hunde schon im Auto, also gehe ich eben laufen. Ich fuhr zum Feldweg, wo ich eigentlich Rad fahren wollte, hängte die Leinen (bei Cleo eine 10m Feldleine und Sascha die 2m Leine) ein und lief los.
Nun war zu der Zeit gerade die Straße von Schalkau nach Truckenthal gesperrt. Ich weiß nicht, woher alle diesen Schleichweg kannten, aber andauernd kamen Fahrzeuge. Das war natürlich kein Laufen! Also drehte ich um – schon leicht gereizt – um das Stück Feldweg zurückzugehen und unter den angrenzenden Büschen auf der Wiese zu laufen. Ich hatte Turnschuhe an – weil ich ja eigentlich Rad fahren wollte. Die Wiese war aber naß und ich bekam nasse Füße. Langsam wurde ich wirklich sauer und dachte gerade noch: „Jetzt muß nur noch ein Reh aus den Büschen kommen.“ Und, es kam natürlich. Ich denke: „Das kann doch wohl nicht war sein!“ und lasse eine wertvolle Sekunde – die wichtigste in diesem Moment – verstreichen. Ich konnte gerade noch die A....backen zusammenkneifen. Cleo reagierte auf kein Kommando und führte sich an der 10m-Leine auf wie ein wilder Mustang, der frisch eingefangen wurde. Ich holte sie langsam ein wie einen kämpfenden Riesenfisch an der Angel. Mit Gewalt mußte ich sie zum Platz runterdrücken und den Fuß auf die Leine stellen, sie war wie eine Furie. Sascha hatte sich natürlich derweilen auch schon hochgeschaukelt, er tobte an seiner Leine. Ich wollte ihm ins Halsband fassen, um ihn kontrollieren zu können. Da drehte er sich urplötzlich um und kam laut knurrend mit entblößtem Gebiß auf mich zu. Sascha ist ein so kräftiger Rüde, daß ich ihm körperlich unterlegen bin. Ich kann mich nicht auf einen Machtkampf mit ihm einlassen und ihn runterdrücken, wie ich es vielleicht mit Cleo gemacht hätte. So ließ ich ihn einfach an mir vorbeilaufen, drehte mich wortlos um und ging mit meinen zerrenden Hunden heim. In diesem Moment, als Sascha so auf mich zu kam, viel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte dreimal meine Meinung revitiert – erst Radfahren und dann doch nicht, auf dem Weg gehen und rumdrehen, auf die Wiese gehen und schon wieder zögerlich werden (weil ich ja nasse Füße hatte), da mußte Cleo natürlich die Führung übernehmen und Sascha machte mit, ganz klar. Schließlich ist er bei den Hunden Bigboss. Ich ging also heim und kochte mir erstmal einen Kaffee, zog mich in aller Ruhe um, nahm die zwei Hunde und ging mit ihnen gleich bei meinem Garten Richtung Wald. Ich weiß, wo da ungefähr die Rehe sind und hatte auch wirklich Glück. Cleo war diesmal an der Meterleine, Sascha an der Meter- und zusätzlich an der starken 10Meterleine. Wie auf Befehl sprang ca 30m vor uns ein Reh aus dem hohen Gras. Ich habe sofort Cleo mit einem „Platz“ hingedonnert – diesmal paßte es, Cleo lag sofort und blieb liegen. Sascha hielt ich noch einen Moment an der Meterleine fest, ließ diese dann los und rief, kurz bevor die 10Meterleine zu Ende war zuckersüß „Sascha, komm her.“ Als der „Aufprall“ kam, drehte ich mich noch nach hinten weg – aua, bei mir krachte es und bei Sascha wohl auch. Wieder kam er zähnefletschend auf mich zugerannt. Ich wartete einfach ruhig ab und ca. 4 Meter vor mir donnerte ich auch ihn mit Handbewegung und Kommando ins Platz – wummm, lag Sascha. Ich glaube, er hat es selbst nicht verstanden. Er hat ja keine Ahnung von bedingten Reflexen. Aber nach dieser Aktion hatte ich erstmal wieder zwei friedliche Samojeden.
|