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Der Wachhund

Chaila ist sehr menschenfreundlich, freut sich über jede zusätzliche Streicheleinheit. Und doch steckt der uralte Wach- und Schutztrieb in ihr. Das erste Mal machte ich Erfahrung damit, als ich zum Hundeschneiden auf Tour war. Chaila und Fritzi waren ständige Begleiter. Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, muss man auch mal essen. Ich saß also in meinem Auto vor einem Einkaufszentrum und kaute friedlich mein Brot. Fritzi lag auf dem Handschuhfach und döste. In die Kuhle passte sie genau hinein. Chaila schlief auf dem Rücksitz. Zwei Rentnerinnen latschten vor dem Auto und entdeckten Fritzi. Und dann – ich hasse diese Unart – klopfte eine der Damen an die Windschutzscheibe. Wahrscheinlich sollte sich Fritzi umdrehen. Wie ein Pfeil schoss ein graues großes Etwas an mir vorbei, rammte die freigelegten Zähne an die Windschutzscheibe. Mit einem Satz waren die Damen weg vom Auto.

Das zweite Mal waren wir auf einer Geburtstagsfeier in Coburg. Es war Sommer, die Feier fand mitten in der Stadt in einem kleinen Hinterhof statt. Er war schön zurechtgemacht mit Tischen und Partybeleuchtung. Es war schon spät, also stockfinster. Chaila lag zu meinen Füßen. Da traten drei „Gestalten“ aus dem dunklen Gang ins Licht des Hofes. Chaila schoss sofort auf und stand, bevor ich irgendwie reagieren konnte, tief knurrend am ersten jungen Mann, ließ sich aber genauso schnell wieder abrufen. Sie hatte nicht zugebissen, aber den drei jungen Männern einen ordentlichen Schrecken eingejagt nach dem Motto „Wehe, ihr habt schlechte Absichten!“ Es waren Bekannte von meiner Freundin. Natürlich habe ich Chaila unauffällig für ihr Verhalten gelobt.

Auf dem Hundeplatz hatte der Ausbilder eine Nachtwanderung im Wald organisiert. Chaila war da ungefähr 1 ½  Jahr alt. Da ich viel im Dunkeln unterwegs bin, sind Chaila und Fritzi einiges gewohnt. So waren die Klabberdosen, die über den Boden huschten genauso wenig ein Problem wie der Mann mit Taschenlampe und Kofferradio im Gebüsch. Der als Gespenst verkleidete Mann wurde nur kurz angeknurrt und als nicht gefährlich eingestuft. Nichts von den kleinen Überraschungen konnten Chaila und Fritzi aus der Ruhe bringen. Wir hatten die Strecke im Wald hinter uns gebracht, liefen auf dem Feldweg am Wald entlang Richtung Hundeplatz. Deutlich konnte ich schon im Schein der Lampen die anderen Hunde und Menschen sehen, als plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch sprang und mich angriff. Also da war selbst ich erschrocken. Chaila und Fritzi griffen sofort ohne Zögern an. – Es war unser Ausbilder im Vollschutzanzug. Als er mich und meine Hunde ansprach, beruhigten meine zwei sich sofort wieder. Dann kam die Auswertung. Ich war mächtig stolz. An der Nachtwanderung hatten ca. 15 Hunde teilgenommen. U.a. auch ein Boxer, Schäferhunde und Schäferhund-Mixe, Schnauzer. Am sichersten und besten haben der Hund meiner Freundin (er hat den Ausbilder gleich erkannt und schwanzwedelnd begrüßt), meine Spitze und Cairnterrier reagiert. Die so genannten „Diensthunde-Rassen“ wichen erst aus und bellten z.T. verstört oder versteckten sich sogar hinter Frauchen.

Auf meiner 5-Tages-Tour über den Rennsteig mit Bollerwagen und Zelt hatte ich sie natürlich auch dabei. Es war einfach nur herrlich. Irgendwo das Zelt im Wald aufschlagen, die Ruhe genießen.

                           

Auch hier kam der angeborenen Wachinstinkt des Wolfsspitzes wieder voll zur Geltung. Machte ich unterwegs Rast, konnten die Wanderer zu mir kommen, die Hunde streicheln, kein Problem. Aber kaum fing ich an, mein Zelt aufzubauen, wurde jeder näher Kommende erstmal bellend verwarnt. Nun war ja der Rastplatz meist nicht direkt an einem Bach. Teilweise musste ich 1 km gehen, um frisches Wasser zu holen. Aber kein Problem. Angel und Buffy blieben als Wächter am Lagerplatz. Chaila ging mit Wasser holen, so wusste ich mich und den Lagerplatz wohlbehütet.

Putzig war auch, als ich mit meinem 5er Gespann mittags zur Wanderhütte am Triniusstein kam. Da war gerade ein Fest und viele Menschen dort. Ich also erstmal mit dem Wagen durch, ein Stück hoch in den Wald. Dort hatte ich die Hunde angebunden und versorgt und wollte mir selbst etwas zu essen holen. Hielt mich ein Herr „Naseweiß“ an mit den Worten „Na, da geh ich jetzt hoch in den Wald und stehle Deine Huskys.“ Ich antwortete darauf „Viel Vergnügen, es sind 2 Wolfsspitze dabei.“ „Oh nein, da lass ich das lieber.“ War die Antwort. Jaja, vorm Wolfsspitz hat man Respekt, bewachten sie doch schon Jahrhunderte zuverlässig Hof und Gut.