Auszug aus meinem Rundschreiben an Spitz - Besitzer im Oktober 2006
„Bei mir ist im Moment ein bisschen Wuhling. Ich war am 02. 10. mit ein paar anderen Spitzzüchtern in der Uni Kassel. Der Vorstand im Spitzverband ist doch sehr engstirnig und konservativ. Man will nur reine Farben haben, obwohl die Population schon wahnsinnig klein ist. Alles, was in das Farbschema nicht reinpasst, kommt nicht in die Zucht. In der Uni Kassel arbeitet eine Frau Dr. Pfeiffer. Sie erforscht Genetik für Hunde und ist wahnsinnig auf Zack. Sie will uns Züchtern helfen und unterstützen. Hier das erschreckende Ergebnis dieses Treffens:
Bei uns stirbt der Deutsche Spitz aus - ja, so hart muss man es sagen! Es geht nicht nur um den Großspitz - es geht um Alle!!!!! Das große Problem ist die Farbreinheit, auf der weiter herumgepocht wird! Im Zuchtausschuß des Spitzverbandes mit der Vertreterin des VDH, Frau Dr. Eichelberg, hat man sich als Kompromiss darauf geeinigt, dass alle Farben (mit strengen Auflagen reglementiert) verpaart werden dürfen, aber nur reine Farben z.B. Schwarz, weiß, grau bei Groß bzw. Wolfsspitz und die bekannten Farben der anderen Varietäten wieder in die Zucht kommen.
Fazit - wenn sich nicht schnellstmöglichst etwas ändert, stirbt der Deutsche Spitz reinfarbig und vollzahnig aus!!!!!!!! - Das sind die einzigen Kriterien, die Gewicht haben im VDH! Und das Aussterben werden wir noch erleben. Bei einem weißen Kleinspitz-Züchter ist heuer ein einziger Welpe gefallen - ein Rüde. Die Hunde bekommen oft nur noch 1 oder 2 Welpen, oft sterben diese!!! - Eine Form der Inzuchtdepression! Hündinnen können Welpen nicht austragen oder nehmen erst gar nicht auf. Und genau da kann das Problem liegen, das ist der so genannte genetische Flaschenhals!!!!!
Wenn wenige Tiere da sind, wird immer wieder in derselben Linie gezüchtet - damit erhöht sich der Inzuchtkoeffezient - das ist die untere Linie im Diagramm, das man sich jetzt vorstellen muss! Die obere Linie ist die genetische Vielfalt - die nimmt ab, wird immer kleiner - die Hunde werden sich immer ähnlicher (das Ziel des VDH sind so genannte ausgeglichene Würfe - alle Welpen sollen möglichst gleich aussehen!) Also die genetische Vielfalt ist die obere Linie und die geht nach unten - und schon kommt der Flaschenhals! Manche Rassen kompensieren so etwas recht lange - bis der Supergau kommt! Peng - Puff - Aus!!!!! Inzuchtdepression - mehr Erbkrankheiten - weniger Welpen - hohe Sterblichkeit - Unfruchtbarkeit.........
Ist bekannt, was Kluster sind? Dr. Pfeiffer hatte Kluster von verschiedenen Rassen erstellt in einem eigentlich 3dimesionalen Diagramm. Es waren u.a. der Deutsche Schäferhund und der Husky dabei. Beim Husky war es eine ganz schön aufgelockerte Wolke - man sah, dass die Punktchen zusammen gehören aber jeder Punkt hatte Bewegungsfreiheit um sich rum. Beim Schäferhund war es ein Knäuel! Viele Punkte waren miteinander verschmolzen!!!! Also hat der Husky noch viel genetische Vielfalt - Beim Schäferhund wurde immer Linienzucht bevorzugt! Und alle haben das gleiche genetische Bild! Jetzt zu den Erbkrankheiten - ich glaube 39 sind erforscht und können nachgewiesen werden. HD und ED gehören noch nicht dazu - und das sind ja schon Riesenprobleme beim Schäferhund. Also die klammern wir mal aus. Es gibt jährlich ca 20 000 Welpen vom Schäferhund (zwanzigtausend!). Also genug Population wäre eigentlich da. Über ein Drittel davon haben Erbkrankheiten - ohne HD!!!!!!!!! Das ist der Hammer, gel!
Also wieder zum Spitz! Wir müssen jetzt nachweisen, dass der Flaschenhals schon wahnsinnig eng ist! Bei einem Inzuchtkoeffizienten von 12 % wird es kritisch - ich kann es nicht ausrechnen aber mir hatte es ein Tierarzt errechnet - bei Buffy liegt er viel höher nach seiner Rechnung!
Also müssen wir ein solches Kluster erstellen! Und dafür brauchen wir Hunde!!!!!! Ideal wäre es, wenn wir je 50 zusammenbekommen würden - Also 50 Wolfsspitze, 50 Großspitze ....... Finanzieren müssen wir es selbst! Wir haben keinen Träger, scheinen aber vom Forschungsauftrag des Akita zu profitieren - Also es kostet pro Hund die Blutentnahme beim Tierarzt und knapp 30 Euro für die Untersuchung und Archivierung in der Universität Kassel! Datenschutz wird groß geschrieben! Alles erfolgt anonym - das Blut und das Ergebnis gehören dem Einsender - nur wenn man das Einverständnis oder selbst den Auftrag dafür gibt, wird auf evtl. Erbkrankheiten oder Abstammung untersucht. Im Moment geht es nur um die Erfassung des genetischen Materials, das noch da ist! Die Veröffentlichungen sind aber alle anonym, wenn man Blut einschickt, bekommt man eine Urkunde darüber, mit einer Nummer drauf. Und nur wenn ich diese Nummer nenne, wird Auskunft über dieses Blut gegeben. So erhält der Einsender (Züchter) alles über seinen Hund und kann damit selbst entscheiden, was er daraus macht! Frau Pfeiffer will das Programm direkt auf ihre HP bringen, da kann dann jeder den Stand nachforschen und sich informieren. Zur Errechnung des Inzuchtkoeffizienten braucht Frau Dr. Pfeiffer eine Ablichtung der Ahnentafel.
Ich betone nochmals - dies ist eine Initiative von Züchtern, die den Spitz erhalten wollen - wir müssen zur nächsten Generalversammlung im Frühjahr 2007dem Spitz-Vorstand hieb und stichfest beweisen, wie brisant die Situation ist. Nur so haben wir eine Chance, Farben untereinander verpaaren zu dürfen und so die Genvielfalt zu erhöhen - die Spitzzucht auf "breite Füße" zu stellen. Frau Dr. Pfeiffer hat sich auch bereit erklärt, uns ein Zuchtprogramm für den Großspitz zu erstellen. Das heißt, die Spitze, von denen wir was haben, werden mit einbezogen.
Den Bogen für die Blutentnahme kann man direkt von der HP der Uni Kassel
herunterladen.
Damit muss man einfach zum Tierarzt gehen, den Abzug der Ahnentafel bitte nicht vergessen - und alles weitere weiß der Arzt. Er schickt die Blutprobe auch direkt hin an die Uni Kassel.
Ich bitte, hier mitzumachen. Sonst war mein ganzer Kampf um die Schwarz-Weiß-Verpaarung vielleicht umsonst, wird es keine Verpaarungen dieser Art mehr geben - und irgendwann in sehr naher Zukunft dann auch keinen Großspitz mehr!"
Herr Machetanz ist der Meinung …. „Wir haben genug Spitze, wir brauchen das
nicht."
Das Ergebnis der Untersuchung müsste Ende Januar fertig sein und soll auf der
Generalversammlung des Verbandes für Deutsche Spitze e.V. vorgelegt werden.